Information

Die "Galerie Bollhorst" wurde im Jahr 2006 in Freiburg im Breisgau gegründet. Seit 2016 wurde der Name zu "Kunsthandlung & Galerie Bollhorst" erweitert. Das Konzept des Geschäfts versteht die Grenzen vom Kunsthandwerk zur Kunst (und umgekehrt) als fließend. Künstler und Handwerker arbeiten grenzüberschreitend. Kann man bei vielen ausgestellten Objekten einen eindeutigen Gebrauchswert ausmachen, so tritt bei anderen Arbeiten der Gedanke einer freien, nicht zweckgebundenen Gestaltung in den Vordergrund.

Die Kunsthandlung steht mit ihrem Programm im Spannungsfeld des Diskurses über die sogenannten "Angewandten" und "Bildenden" Künste. Sie positioniert sich hierzu diskursanregend, nicht abgrenzend und behauptet schlicht, vor ein Urteil die "Wahrnehmung" zu setzen.

Es werden internationale Künstler und Kunsthandwerker gezeigt mit einem besonderen Fokus auf keramische Arbeiten.

Es geht um die Sinne und um Leidenschaft. Um eine Leidenschaft an Arbeiten aus Künstler- und Kunsthandwerkerhänden. Leidenschaft, die spürbar wird im Betrachten und Fühlen der verschiedenen Arbeiten. Leidenschaft und Lebenszeit, die in den ausgestellten Arbeiten stecken und die wie ein Funke überspringen. BOLLHORST stellt Arbeiten aus verschiedenen Bereichen einer gehaltvollen Dingwelt aus: handgefertigt, originell, eine schöne Formgebung, ein guter Nutzen, ein feiner Humor, eine unglaubliche Farbe, ein besonderes Gespür, eine Leichtigkeit.

Gezeigt werden Objekte, welche die Sinne anregen, bis das Herz klopft, sich die Augen staunend öffnen, und die Begegnung zu einer kleinen Verführung wird. Das Besondere wird auf den Sockel gehoben, das Freudige und Beschwingte, ebenso wie das Leise, das Schlichte, das Einfache, das Nachdenkliche, das Ernste, die Zwischentöne, die Schwere eines Materials...

Die Kunstwerke sind von Menschen, die ihre Arbeit hochschätzen, Freude am Material, das Gespür für Form, Farbe, Nutzen, Lust am Gestalten haben. Es sind Arbeiten von Menschen, die ihre Materialien sinnlich durchdringen, ob Erden, Metalle, Pigmente, Hölzer, Glas, Steine, Papier, Fasern, Stoffe.

Es geht BOLLHORST darum, dieser Freiheit der Gestaltung einen gebührenden Platz einzurichten, die Sinne für die ausgestellten Dinge zu öffnen und den einzelnen Künstler mit seiner Arbeit vorzustellen.

Die Kunsthandlung und Galerie möchte aus der Beliebigkeit des überall gesehenen, anonymen Designs herausführen.

Das Ergebnis ist ein besseres Verständnis der Betrachter und Kunden für die Arbeitsvorgänge und die Aufmerksamkeit, mit der jede Arbeit gefertigt ist, und damit für den individuellen Wert eines jeden Gegenstandes, der sich nicht nur monetär ausdrückt, sondern in besonderer Weise ideell. Ein Wert, der in der Gegenwart durch Massenproduktion leidet.

Ausgefallene Arbeiten finden in der Kunsthandlung und Galerie BOLLHORST ihren Weg zu Sammlern und Liebhabern, die sich dieses Wertes bewusst sind. Die Räumlichkeit der Galerie liegt direkt am Schwabentor in einem der schönsten Bereiche der alten Freiburger Innenstadt.

Interview

Warum liegt ihr Schwerpunkt auf Keramik?
Zum einen ist es keine ausschließliche Keramik Galerie, sondern es werden viele Arbeiten aus anderen Gewerken angeboten, wie zum Beispiel Glas, Holz oder Metall. Der Schwerpunkt auf Keramik liegt darin begründet, dass mich die augenscheinliche Einfachheit des Materials fasziniert. Die Herstellung von Gefäßen aus Keramik ist eine der ältesten Kulturtechniken der Menschen. Einen Batzen feuchte Erde als Ausgangsmaterial zu nehmen, empfinde ich als überaus einfach, wohltuend und verständlich in einer Gegenwart, in der fast niemand mehr die Technik versteht, die uns umgibt. Natürlich ist "Keramik" ein überaus komplexes Thema mit all seinen Facetten, doch zunächst freut mich der Gedanke der "Einfachheit".

Warum führen Sie den Namen "Galerie" seit kurzem nur noch im Untertitel?
Diese Frage ist nur zu beantworten, indem ich einen Prozess beschreibe: Zu Beginn meiner Tätigkeit vor ungefähr 10 Jahren war mir der Gedanke einer Galerie wesentlich näher als heute. Ich kam aus dem Umfeld der sogenannten Bildenden Kunst, in welcher eine Galerie im Allgemeinen ja ein wesentlicher Bestandteil ist. So war es gedanklich einfach für mich, eine Galerie mit dem Schwerpunkt auf Keramik (und damals nochSchmuck) zu installieren. Es gab klassische Vernissagen, Musik, Häppchen. Ich möchte das in keinem Fall auf eine Art diskreditieren, doch hatte ich mit der Zeit immer mehr Bauchschmerzen in diesem System von Kunstvermarktung. Persönlich möchte ich immer mehr dem elitären und distinguierenden Anteil des "Systems Galerie" entfliehen. Es reicht mir nicht, künstlerische Behauptungen in einem abgeschotteten System von klar definierten Markt und Menschen zu tätigen und 99% der Menschen stehen draußen vor dem Fenster und schauen mit großen Augen auf eine Sektglas schwingende Gemeinschaft. Aus diesem Grund habe ich zumindest schon mal das Wort "Galerie" aus der Außendarstellung des Ladengeschäftes in Freiburg genommen. Seitdem ich mir diesen Hochkulturstachel aus einer immer mehr eiternden Wunde gezogen habe, geht es mir persönlich besser und wirtschaftlich dem Kunsthandel auch. Ich versuche den Transfer zu den "normalen" Konsumenten von Kunst und Kunstwerk durch eine sehr breite, eben nicht abgrenzende Position zu schaffen. Aus diesem Grund gibt es seit Kurzem auch einen exzellenten Door Opener: ein guter Espresso – was im Geschäft schon für wundervolle Gespräche über Kunst und Kultur entstanden sind ist bemerkenswert! Vielleicht war ich nie wirklich eine Galerie im klassischen Sinn, sondern immer schon ein etwas undefinierbares Mischwesen.

Was möchten Sie im Bezug auf das Kunsthandwerk erreichen?
Mein Interesse gilt der Freude und dem Staunen über Produkte aus Menschenhand. Diesen beseelten Moment in einem künstlerischen Produkt zu spüren, an dem ein Kunsthandwerker oder Künstler zufrieden seine Arbeit in den Händen hält: diesen Moment und das Überspringen dieser besonderen Kraft und dieses sehr besonderen Wertes gilt es für mich zu transportieren. Wenn ein Kunde hier im Geschäft steht und ein solcher Funke übergesprungen ist - fantastisch. Viel mehr ist meiner Meinung nicht erreichbar.

Pläne für die Zukunft?
Meine Pläne für die Zukunft sind zunächst das Geschäft wirtschaftlich erfolgreich weiterzuführen. Beim Kunsthandel geht es natürlich um Geld und die eigene Existenzsicherung. Hierfür freue ich mich in den nächsten Jahren noch viele künstlerisch Schaffende kennenzulernen und ihre Produkte verkaufen zu können. Gleichzeitig freue ich mich auch darauf noch viele weitere Kunden kennenlernen zu dürfen, denn als Kunsthändler geht die Aufmerksamkeit und der Respekt in beide Richtungen, man ist Mittler zwischen den Beteiligten. Respekt, Anstand, Offenheit, Ehrlichkeit, gute Beziehungen pflegen - das sind alles ein wenig "Old-School-Tugenden" in Zeiten des Internethandels, doch wahrscheinlich einzige Freistellungsmerkmale im positiven Sinne. Wenn ich etwas entschleunigen dürfte, dann den Onlinehandel und die Öffnungszeitenpolitik von Mediamarkt, Ikea und Co., die den inhabergeführten Einzelhandel definitiv zerstören.